Heute morgen ist es endlich soweit – unser zweiter Sonnenschein soll das Licht der Welt erblicken!
Gestern Vormittag um halb neun hatten wir den Termin bei der Hebammensprechstunde im Klinikum Oldenburg/Kreyenbrück. Dort nahm uns eine suuuuper-nette, wenn auch leicht gestreßte, Hebamme Katja in Empfang. Wir haben sämtliche Formalitäten wie CTG, Aufnahmegespräch, Anästhesie-Aufklärung, Arzt-Gespräch usw. gemeistert, während sich auf dem Flur die dicken Bäuche gehäuft haben…
Da waren etliche Frauen, die gekommen waren, damit bei ihnen die Geburt eingeleitet werden würde – und die dann wieder nach Hause geschickt wurden. Keine Betten mehr frei!
Der Wahnsinn – sooo viele Geburten…
Wir hatten damals bei dem Gespräch zur Geburtsplanung ja um das Familienzimmer auf der Wöchnerinnen-Station gebeten – oder um ein adäquates Ein- oder Zweibett-Zimmer, in dem Eddie bei mir bleiben könnte. Unter diesen Umständen konnten wir uns das wohl abschminken…
Ich hatte ein total mulmiges Gefühl – nichts lief richtig mit!
Oma Tomma wartete mit Jannika zu Hause - Schlumi sollte die kommende Woche Urlaub in Pewsum machen!
Wochenlang hatte ich mit ihr darüber gesprochen, versucht ihr das Wie und Warum zu erklären – sie freute sich auf Oma Tomma und Opa Harold – nur ich nicht… Noch nie hatte ich sie mehr als einen Tag weggegeben – und jetzt für soooo lange?!?
Ich hab Rotz und Wasser geheult, als sie im Auto saß – sie fehlte mir jetzt schon…
In der Nacht habe ich kein Auge zugetan – wie so oft in der letzten Zeit…
Ich wollte einfach nur, dass der Tag schnell vorbeigeht – hatte ich doch panische Angst, dass unser Sohnemann nach der Geburt die gleichen Anpassungsschwierigkeiten mit seinem Zucker haben würde wie Jannika damals und dass sie ihn mir ebenso schnell wegnehmen würden…
Natürlich, für Jannika war es damals das Beste und ich denke nicht, dass sie dadurch irgendwelche Nachteile gehabt hat, aber für mich war es unbeschreiblich schwer, sie nicht bei mir zu haben. Da spürt man Tag für Tag die Bewegungen und Tritte im Bauch – plötzlich ist das Baby auf der Welt – und sofort wieder weg. Dazu noch die vielen Frauen mit ihren Babys in den Bettchen auf Station – ich war soooo neidisch damals!
Eddie hat immer versucht meine ängstlichen Gedanken zu vertreiben, Danke für ALLES - mein liebster Schatz!
Um sieben Uhr sollte ich nüchtern beim Kreissaal sein – gesagt, getan!
Hebamme Agnes begrüßte uns, dieses Mal durfte ich jedoch nicht gleich mit rein, sondern musste draußen vor der Tür warten – das fing ja toll an…
Über eine Stunde saßen wir da – bis die nette Hebamme vom Vortag kam. Ich hab mich total aufgeregt – auf dem OP-Plan war ich erst nach Mittag dran – jetzt gab es noch einen Notfall-Kaiserschnitt bei Zwillingen, der dazwischen kam – also verschob sich das Programm um weitere 1 1/2 Stunden nach hinten…
Das war alles ein bißchen viel für mich – die Anspannung der letzten Wochen, wegen Jannika, der Geburt und allem was dazugehört, Angst, Müdigkeit… Ich war drauf und dran wieder zu gehen und mir eine andere Klinik zu suchen – und das hab ich auch gesagt.
Hebamme Katja nahm uns mit um ein CTG zu schreiben, kurze Zeit später öffnete sich die Tür und der Klinikchef Professor Malik kam herein. Er hatte damals mit uns die Geburtsplanung besprochen und sich fast vor Freundlichkeit überschlagen. Schließlich spricht einem nicht jeden Tag ein Professor seine Hochachtung aus – er in Bezug auf meine Einstellung des Diabetes. Er hatte damals schon gesagt – sollten wir irgendein Problem haben, sollten wir uns vertrauensvoll an ihn wenden, er würde sich schon kümmern…
Tja, so war es dann auch – 10 Minuten und ein klärendes Gespräch später setzte uns Prof. Malik als nächste auf den OP-Plan, wir hatten noch eine gute halbe Stunde bis zur Sectio!
Also, ab ins Bett, Infusionen dran, noch einmal zur Toilette und dann gings los…
Natürlich war noch Zeit für ein Foto von Eddie in OP-Kluft…
Mittlerweile hatten wir es kurz nach 9Uhr morgens – auf los gings los…
Wie beim letzten Mal musste Eddie noch kurz auf dem Flur warten bis ich vorbereitet auf dem Tisch lag…
Dieses Mal hatte ich so eine Art Tuch auf der Brust liegen, unter das ständig warme Luft gepustet wurde. Das war total angenehm!
Eddie kam rein und setzte sich ans Kopfende. Er erzählte mir von unserem Schlumi und ich war beinahe entspannt trotz der aufregenden Situation. Es dauerte nicht lange da war e soweit – um 9:40Uhr ertönte Hendriks erster Schrei… Ich hab geweint vor Glück – seine Stimme klang so kräftig!
Schon gestern hatte uns die Ärztin gesagt, er sei eher zierlich – kleiner und leichter als Janni damals gewesen war… Ganz untypisch für ein “Diabetiker-Baby”, aber dafür war ich ja so gut eingestellt – der letzte HbA1 war bei 4,6% – quasi wie bei einem Nicht-Diabetiker!
Eddie durfte nicht gleich mit nach nebenan. Hendrik hatte anfangs noch Probleme mit seiner Atmung. Plötzlich ging die Tür auf und die Schwester kam mit einem kleinen Bündel, in warme Handtücher gewickelt, auf dem Arm in den Raum und legte mir den kleinen auf die Brust. DAS war absolut unglaublich! Bei Janni musste ich damals fast 45Minuten warten, bis ich sie endlich zu Gesicht bekam – und ihn hatte ich schon im OP ganz nah bei mir! Er war soooo winzig… Gemessen und gewogen hatten sie ihn noch gar nicht – 2560g und 48 cm, Kopfumfang 34cm, wie sich später herausstellte.
Endlich waren die Ärzte fertig mit zunähen und wir kamen alle zusammen in das kleine Zimmer, in dem ich schon vorher die Infusionen erhalten hatte.
Da musste jemand erst einmal ausgiebig geknuddelt und geküsst werden…
Hendriks Zuckerwerte waren entgegen allen meinen Befürchtungen relativ stabil, er durfte bei uns bleiben!
Also genügend Zeit für ein bißchen kuscheln mit Papa…
Das war das allerschönste, diese ungestörte Zeit zu dritt, wunderbar!
Die Hebamme hatte noch immer alle Hände voll zu tun – eine Frau nach der anderen brachte ihr Kind zur Welt. Es war fast 16:30Uhr als wir auf unser Zimmer auf der Wöchnerinnen-Station kamen. Für die erste Nacht hatte man uns ein Einbett-Zimmer umfunktioniert zum Zweibett-Zimmer. Eddie durfte bleiben! Ich war sooo glücklich und dankbar! Und plötzlich machte Hendrik zum allerersten Mal seine Äuglein so richtig auf…
Was für einen wunderhübschen Sohn wir haben…
Und am nächsten Tag durften wir umziehen in das Familienzimmer!
Hendriks Blutzucker-Werte blieben weiterhin stabil und er machte sich prächtig. Er trank an der Brust wie ein Weltmeister und hatte bei der U2 am 3.Tag nach der Sectio keine 50g abgenommen! Unser kleiner Held…
Diese Geburt war in vielerlei Hinsicht so ganz anders als die erste – Eddie und ich waren einfach nur dankbar und glücklich, dass alles so gut verlaufen war. Unsere beiden Engel sind wirklich ein Geschenk – wir sind unbeschreiblich stolz und können unser Glück kaum fassen!
Willkommen im Leben mein Sohn!







